Beim Soziale Arbeit Mittelmark e.V.
Am Freitagnachmittag hatte ich noch die Möglichkeit, mit Maria Arat – Geschäftsführerin des Vereins Soziale Arbeit Mittelmark – in Kuhlowitz bei Bad Belzig ins Gespräch zu kommen. Der SAMEV unterstützt Migrant*innen beim Ankommen in unserer Gesellschaft, verwaltet Geflüchtendenunterkünfte, begleitet von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen sowie Familien und Jugendliche mit besonderen Hilfebedarfen.
Kinder- und Jugendarbeit
Maria Arat beschreibt, dass die Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit Schwierigkeiten enorm zugenommen hat. Gründe sind u.a. ein größerer Kreis von Eltern mit wenig Erziehungskompetenzen. Sie nennt aber auch die bei der AWO schon thematisierten Verstärker wie Internet, Sucht, Straftaten, die fehlenden sozialen Ressourcen in Schulen sowie die mangelnde Prävention.
Um den Kindern und Jugendlichen zu helfen, die in ihrem Elternhaus nicht zurecht kommen, gibt es in Potsdam-Mittelmark leider viel zu wenig Plätze in Wohngruppen oder zur Inobhutnahme. Laut Arat wird ein frei werdender Platz innerhalb von nur 2 Stunden an einen neuen Jugendlichen vergeben. Die fehlenden Plätze zur Nachbetreuung bewirken außerdem, dass Jugendliche in psychatrischen Einrichtungen „festsitzen“ und dort Plätze für andere Patienten blockieren. Für die Organisation von Wohngruppen stellen die 2019 festgelegten Kostensätze mittlerweile ein Problem dar, da sie die 2023 anfallenden Kosten nicht mehr decken. Um in Zeiten des Fachkräftemangels ausreichend Personal anstellen zu können, wünscht sich der SAMEV eine Aufweichung des Fachkraftgebotes. Warum können nicht auch qualifizierte Bewerber*innen ohne abgeschlossenens Sozialpädagogik-Studium eingestellt werden? Wie bei vielen unseren Terminen beschreibt auch Maria Arat die Zusammenarbeit mit Behörden als zu unflexibel und langsam. Geht es zum Beispiel um finanzielle Unterstützung für Hilfsmittel in der Schule, ist eine mehrmonatige Bearbeitungszeit für die Kinder eine zusätzliche Hürde beim Lernen.

Ein Minibus für Schmerwitz
In der Migrationssozialarbeit schaut man besorgt auf die Statistik: im Jahr 2023 hat der Landkreis erst 12% der zugesagten Migrant*innen aufgenommen. Allerdings kommen aktuell weniger Geflüchtete als vorhergesagt in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt an. Die Kommunen werden sehr wahrscheinlich weniger Menschen als erwartet unterbringen müssen. Die größten Probleme für die Integration der zu uns kommenden Menschen sieht Maria Arat aktuell bei den fehlenden Sprachkursen, im Arbeitsverbot bzw. der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und beim Thema Mobilität. Um Menschen in abgelegenen Unterkünften zu ermöglichen zur KiTa, Schule, Behörden, Beratungsstellen oder zu Sprachkursen zu gelangen, ist der Verein in Schmerwitz jetzt neue Wege gegangen. Er stellt einen Minibus zur kostenlosen Ausleihe bereit, damit sowohl die Schmerwitzer Bürger*innen als auch die Bewohner*innen der Geflüchtetenunterkunft dringende Wege zurücklegen können. Den verbrauchten Kraftstoff müssen die Nutzer*innen selbst bezahlen. Noch muss sich die neue Mobilitätsvariante herumsprechen. Aber ich denke, der Minibus könnte ein lokaler Erfolg werden!
Sozialwirtschaftsbetrieb mit neuen Ideen
Der SAMEV betreibt auch einen Sozialwirtschaftsbetrieb, der handwerkliche, Renovierungs- und Gartenbau-Leistungen anbietet. Dort arbeiten Langzeitarbeitslose über mehrere Jahre. Ihre Anstellung bzw. Wiedereinführung in den 1. Arbeitsmarkt wird vom Jobcenter gefördert. Aktuell hat das Jobcenter große Schwierigkeiten genug förderfähige Arbeitnehmer zu finden. Für den Betrieb hat Maria Arat auch noch einige Ideen parat: wäre es nicht möglich, in Zukunft neben handwerklichen Arbeiten auch (Migrations-)Sozialarbeit anzubieten oder Projekte zu initiieren, die leerstehende Häuser auf dem Land renovieren um so dezentral Unterkünfte für Geflüchtete oder Jugendwohngruppen zu gewinnen?
Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtete ebenfalls zu meinem Besuch in Kuhlowitz.
HIER gehts zu dem Artikel.