Ideen für bessere Integration vor Ort

Thomas von Gizycki vor der Geschäftsstelle des SAM e.V.

Beim Soziale Arbeit Mittelmark e.V.

Am Frei­tag­nach­mit­tag hatte ich noch die Mög­lich­keit, mit Maria Arat – Geschäfts­füh­re­rin des Ver­eins Soziale Arbeit Mit­tel­mark – in Kuh­lo­witz bei Bad Bel­zig ins Gespräch zu kom­men. Der SAMEV unter­stützt Migrant*innen beim Ankom­men in unse­rer Gesell­schaft, ver­wal­tet Geflüch­ten­den­un­ter­künfte, beglei­tet von Arbeits­lo­sig­keit betrof­fene Men­schen sowie Fami­lien und Jugend­li­che mit beson­de­ren Hilfebedarfen.

Kinder- und Jugendarbeit

Maria Arat beschreibt, dass die Anzahl von Kin­dern und Jugend­li­chen mit Schwie­rig­kei­ten enorm zuge­nom­men hat. Gründe sind u.a. ein grö­ße­rer Kreis von Eltern mit wenig Erzie­hungs­kom­pe­ten­zen. Sie nennt aber auch die bei der AWO schon the­ma­ti­sier­ten Ver­stär­ker wie Inter­net, Sucht, Straf­ta­ten, die feh­len­den sozia­len Res­sour­cen in Schu­len sowie die man­gelnde Prävention.

Um den Kin­dern und Jugend­li­chen zu hel­fen, die in ihrem Eltern­haus nicht zurecht kom­men, gibt es in Pots­dam-Mit­tel­mark lei­der viel zu wenig Plätze in Wohn­grup­pen oder zur Inob­hut­nahme. Laut Arat wird ein frei wer­den­der Platz inner­halb von nur 2 Stun­den an einen neuen Jugend­li­chen ver­ge­ben. Die feh­len­den Plätze zur Nach­be­treu­ung bewir­ken außer­dem, dass Jugend­li­che in psy­cha­tri­schen Ein­rich­tun­gen „fest­sit­zen“ und dort Plätze für andere Pati­en­ten blo­ckie­ren. Für die Orga­ni­sa­tion von Wohn­grup­pen stel­len die 2019 fest­ge­leg­ten Kos­ten­sätze mitt­ler­weile ein Pro­blem dar, da sie die 2023 anfal­len­den Kos­ten nicht mehr decken. Um in Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels aus­rei­chend Per­so­nal anstel­len zu kön­nen, wünscht sich der SAMEV eine Auf­wei­chung des Fach­kraft­ge­bo­tes. Warum kön­nen nicht auch qua­li­fi­zierte Bewerber*innen ohne abge­schlos­se­nens Sozi­al­päd­ago­gik-Stu­dium ein­ge­stellt wer­den? Wie bei vie­len unse­ren Ter­mi­nen beschreibt auch Maria Arat die Zusam­men­ar­beit mit Behör­den als zu unfle­xi­bel und lang­sam. Geht es zum Bei­spiel um finan­zi­elle Unter­stüt­zung für Hilfs­mit­tel in der Schule, ist eine mehr­mo­na­tige Bear­bei­tungs­zeit für die Kin­der eine zusätz­li­che Hürde beim Lernen.

Ein Minibus für Schmerwitz

In der Migra­ti­ons­so­zi­al­ar­beit schaut man besorgt auf die Sta­tis­tik: im Jahr 2023 hat der Land­kreis erst 12% der zuge­sag­ten Migrant*innen auf­ge­nom­men. Aller­dings kom­men aktu­ell weni­ger Geflüch­tete als vor­her­ge­sagt in der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung in Eisen­hüt­ten­stadt an. Die Kom­mu­nen wer­den sehr wahr­schein­lich weni­ger Men­schen als erwar­tet unter­brin­gen müs­sen. Die größ­ten Pro­bleme für die Inte­gra­tion der zu uns kom­men­den Men­schen sieht Maria Arat aktu­ell bei den feh­len­den Sprach­kur­sen, im Arbeits­ver­bot bzw. der Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüsse und beim Thema Mobi­li­tät. Um Men­schen in abge­le­ge­nen Unter­künf­ten zu ermög­li­chen zur KiTa, Schule, Behör­den, Bera­tungs­stel­len oder zu Sprach­kur­sen zu gelan­gen, ist der Ver­ein in Schmer­witz jetzt neue Wege gegan­gen. Er stellt einen Mini­bus zur kos­ten­lo­sen Aus­leihe bereit, damit sowohl die Schmer­wit­zer Bürger*innen als auch die Bewohner*innen der Geflüch­te­ten­un­ter­kunft drin­gende Wege zurück­le­gen kön­nen. Den ver­brauch­ten Kraft­stoff müs­sen die Nutzer*innen selbst bezah­len. Noch muss sich die neue Mobi­li­täts­va­ri­ante her­um­spre­chen. Aber ich denke, der Mini­bus könnte ein loka­ler Erfolg werden!

Sozialwirtschaftsbetrieb mit neuen Ideen

Der SAMEV betreibt auch einen Sozi­al­wirt­schafts­be­trieb, der hand­werk­li­che, Reno­vie­rungs- und Gar­ten­bau-Leis­tun­gen anbie­tet. Dort arbei­ten Lang­zeit­ar­beits­lose über meh­rere Jahre. Ihre Anstel­lung bzw. Wie­der­ein­füh­rung in den 1. Arbeits­markt wird vom Job­cen­ter geför­dert. Aktu­ell hat das Job­cen­ter große Schwie­rig­kei­ten genug för­der­fä­hige Arbeit­neh­mer zu fin­den. Für den Betrieb hat Maria Arat auch noch einige Ideen parat: wäre es nicht mög­lich, in Zukunft neben hand­werk­li­chen Arbei­ten auch (Migrations-)Sozialarbeit anzu­bie­ten oder Pro­jekte zu initi­ie­ren, die leer­ste­hende Häu­ser auf dem Land reno­vie­ren um so dezen­tral Unter­künfte für Geflüch­tete oder Jugend­wohn­grup­pen zu gewinnen? 

Die Mär­ki­sche All­ge­meine Zei­tung berich­tete eben­falls zu mei­nem Besuch in Kuh­lo­witz.
HIER gehts zu dem Artikel.

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.